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Iwanowka in Westsibirien

Diese private Website widmet sich dem Dorf Iwanowka im Rajon Issilkul, Gebiet Omsk. Sie enthält Erinnerungen, Fotos und Informationen für heutige und ehemalige Einwohner sowie für alle, die sich für die Geschichte des Dorfes interessieren.

Meine Erinnerungen an das Dorf Iwanowka

Dieser kalte, endlose Regen da draußen,
Bringt mich zurück in die vergangene Zeit.
Er flüstert in meine Gedanken von außen,
Nimm die Geschichte nicht mit in die Ewigkeit.
Waldemar Penner 11. November 2024

sonnenuntergang

Jahrzehnte später

  Jahrzehnte später tauchen immer öfter nostalgische Erinnerungen an die guten, wenn auch nicht immer unbeschwerten Zeiten auf. Erinnerungen an eine sorgenlose Kindheit, an eine wundervolle Jugend, an eine Zeit voller Verliebtheit, Träume und Glück - eine Zeit, die wir immer noch als die besten Jahre unseres Lebens empfinden. Es sind schöne Erinnerungen, die wir aus unserem kleinen sibirischen Dorf Iwanowka mitgenommen haben. Als wir aus Iwanowka ins Ausland zogen, überquerten wir nicht nur eine interkontinentale Grenze, wir überquerten auch noch eine zeitliche Grenze - eine Grenze zwischen unserer Vergangenheit und einer völlig neuen, unbekannten Zukunft. Wir haben eine Grenze überquert, die in unserer Seele eine unheilbare Narbe hinterlassen hat, geprägt von Schmerz und Sehnsucht nach den längst vergangenen Jahren, nach jener Zeit, die wir in diesem fernen Dorf Iwanowka verbrachten, dem Dorf, in dem alles begann.

Diesen Text habe ich etwa 2007 in Russisch geschrieben, in Deutsch am 9. November 2024 übersetzt. W.P

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Unser Dorf mit unseren Augen

  Iwanowka war nie ein großes Dorf und wird es wohl auch nie werden. Die meisten Einheimischen sind von hier weggezogen, und die neu Zugezogenen werden unser Dorf wahrscheinlich nie so lieben, wie wir es einmal geliebt haben. Seitdem wir weggezogen sind, hat sich in Iwanowka viel verändert, aber noch mehr hat sich seit unserer Kindheit verändert. Früher blühte hier das Leben, die Menschen arbeiteten mit großer Begeisterung. Sogar aus dem Nachbardorf kamen Leute zur Arbeit hierher, da hinter dem Iwanower Wald damals die erste Traktorbrigade mit zahlreichen Feldmaschinen und eigener Kantine stationiert war. Die Arbeit der Mechanisatoren war zu der Zeit noch angesehen. Sie arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wir, die damaligen Kinder und Jugendlichen aus dem Dorf, kamen hierher, um Limonade zu trinken oder neugierig die Landmaschinen zu bewundern. Früher gab es in Iwanowka sogar einen Milchviehbetrieb mit maschinellem Melken der Kühe. Die Melkmaschinen waren natürlich nicht so modern wie die heutigen, aber immerhin. Neben dem Kuhstall stand ein Wasserturm für die automatische Viehtränke. Auch eine sogenannte "Rote Ecke" gab es direkt neben dem Maschinenraum im Kuhstall, wo sich die Arbeiter trafen, um Probleme zu besprechen oder eine Fernsehsendung auf dem damals einzigen Fernseher im Dorf anzusehen. Außerdem hatte das Dorf eine eigene Mühle mit einer Getreidebrechanlage für Futtermittel und zwei Getreidespeicher, unter denen sich Kaninchen versteckten, die uns Kindern damals viel Freude bereiteten. Es gab sogar eine eigene Schmiede mit einem Schmied aus unserem Dorf. Aber das war alles sehr lange her. Die damalige Jugend hatte wahrscheinlich keine Zeit, spazieren zu gehen und sich mal auszuruhen. Aber später, als wir Teenager wurden, spazierten die örtlichen Jugendlichen abends durch unsere drei im Dreieck angeordneten Straßen. Im Frühling, sobald die ersten trockenen Inseln auf der großen Wiese in der Dorfmitte auftauchten, trafen sie sich, genau wie später auch die Jugendlichen unserer Zeit und spielten Kreisball, Lapta und „Dogonalki“. Oft versammelten sie sich auch bei der großen, selbstgebauten Schaukel im Iwanower Baumgarten. Die Jugend unserer Zeit baute später eine ähnliche Schaukel im Mesheweiewer Wald und verbrachte hier ihre freie Zeit, mit schaukeln, Spielen, oder saßen einfach auf Baumstämmen bis tief in die Nacht, unterhielten uns und genossen gemeinsam unsere jungen Jahre. Wie lange und zugleich wie unlängst das alles war. Heute gibt es hinter dem Wald keine Traktorbrigade mehr, die Viehställe sind zerstört, die Mühle ist dem Erdboden gleichgemacht, und an die Schmiede erinnert sich längst keiner mehr. Auch auf der großen Wiese versammelt sich niemand. Die wenigen jungen Menschen, die nicht ins Ausland gegangen sind, zieht es vor lauter Langeweile wohl bald in die Stadt.

* * *

  Dies ist eine unvollendete, chronologische Erzählung über das Leben in unserem Dorf, die weder einen Anfang noch ein Ende hat. Es wäre schön, wenn jemand das Dorfleben für die jüngeren Generationen festhalten und es für die Webseite „Iwanowka in Westsibirien“ so beschreiben würde, wie er es mit eigenen Augen gesehen hat. Denn unser Dorf hat so vieles zu erzählen. Unsere Kinder sind zwar in Iwanowka aufgewachsen, aber sie wissen nur wenig über die Geschichte von Iwanowka, was sehr schade ist. Schließlich haben wir alle die frische Luft unseres Dorfes geatmet, den Sonnenaufgang begrüßt, frische Milch getrunken, sind barfuß durch die Gegend gelaufen, nach einem Sommerregen durch den Schlamm gerannt, haben auf Strohhaufen getobt, im frischen Heu gelegen und in den blauen Himmel geschaut, um zu erraten, was die vorbeiziehenden Wolken darstellten. Man darf auch nicht vergessen, dass Iwanowka ein christliches Dorf war und ist. Hier wurde gepredigt, dass jeder Mensch jemand ist, den Gott liebt und für den er seinen einzigen Sohn hingegeben hat, damit jeder Mensch an ihn glaubt und Vergebung der Sünden sowie ewiges Leben mit Christus erhält.

In Russisch am 3. Juli 2010 geschrieben, in Deutsch im November 2024 übersetzt. W.P.

brunnen

Die Dorfbrunnen

Wussten Sie, dass es früher in Iwanowka, obwohl das Dorf sehr klein ist, vergleichsweise viele Brunnen gab?
  Einer dieser Brunnen befand sich direkt im Viehstall der Familie Epp. Vermutlich war dies einer der ältesten Brunnen in unserem Dorf, da die Familie Epp als Gründer von Iwanowka gilt. Ursprünglich hieß das Dorf „Epp-Chutor“. Bis 1975 gab es auch einen Brunnen neben dem Viehstall der Kolchose am Dorfrand. Von dort wurde das Wasser mit einer Tiefbrunnenpumpe in den Wasserturm gepumpt. In den letzten Jahren kümmerte sich David Abramowitsch Jantzen um den technischen Zustand der Anlage. Einst gab es auch einen Brunnen auf der Wiese in der Nähe des Iwanower Baumgartens. In den 1960er Jahren wurde nebenan die Grundschule von Iwanowka gebaut, aber zu diesem Zeitpunkt existierte der Brunnen nicht mehr. Ein weiterer Brunnen befand sich im Hof des Hauses von Anna Dawidowna Matthies. Später baute ihr Sohn, Dawid Franzewitsch Matthies, auf diesem Grundstück ein neues Haus, das heute noch steht. Der Brunnen war damals schon in schlechtem Zustand und wurde zugeschüttet. Erwähnenswert ist, dass das Wasser in den Brunnen an der heutigen „Mechanisatorow-Straße“ (früher einfach nur „Iwanowka“) nicht trinkbar war. Es hatte einen salzigen, unangenehmen Geschmack und wurde ausschließlich zur Viehtränkung verwendet. Bis vor nicht allzu langer Zeit befand sich ein weiterer Brunnen in Meshewajewka, heute „Lesnaja-Straße“, im Hof von Michail Michailowitsch Pepke und Alexander Christijanowitsch Weber. Viele Jahre lang nutzten nicht nur die Hausbesitzer diesen Brunnen für Trinkwasser, sondern auch andere Dorfbewohner. Weiter entlang derselben Straße gab es einen Brunnen im Garten hinter dem Haus von Elisabeth Kornejewna Langemann, der in den 1980er Jahren zugeschüttet wurde, da er reparaturbedürftig war. Dieser Brunnen wurde nicht repariert, weil sich in der Nähe, an der Kreuzung vor dem Haus von Peter Abramowitsch Langemann, ein noch funktionierender Brunnen befand, der bis heute genutzt wird. Dieser Brunnen liegt direkt an der Straße und ist daher für Fahrzeuge gut zugänglich. Zudem ist er mit einer elektrischen Tauchpumpe ausgestattet, sodass das Wasser nicht mehr von Hand mit Eimer geholt werden muss. Wer jedoch nostalgisch veranlagt ist, kann auch die Handkurbel bedienen und einen etwa zehn Liter großen Metalleimer, der an einem langen Seil und einem Kettenstück hängt, bis in eine Tiefe von achtzehn Metern hinablassen. Trotz der vorhandenen Wasserleitung im Dorf kommen viele Menschen immer noch gerne hierher, um das köstliche, kalte Trinkwasser zu genießen. Dank zahlreicher Reparaturen und Reinigungen durch die Dorfbewohner kann dieser Brunnen die Bevölkerung noch viele Jahrzehnte lang mit frischem Wasser versorgen. Beim letzten großen Reparatureinsatz Ende der 1980er Jahre setzten Waleri Petrowitsch Langemann und Franz Dawidowitsch Matthies anstelle des Holzschachts Betonringe ein, die nicht verrotten und gegen Korrosion beständig sind.

In Russisch am 21. Januar 2011 geschrieben, in Deutsch im November 2024 übersetzt. W.P.

Die Iwanower Grundschule

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  Die erste Schule in Iwanowka existierte in den vierziger Jahren. Sie befand sich in einem alten Haus, das eher einer Erdhütte gleich war, weil die aus Erdwiesen gebaut war. Diese Schule stand gegenüber dem Iwanower-Baumgarten, in der Nähe des Hauses der Familie Epp. Vorher fand der Unterricht der Iwanower Kinder zu Hause in einem Privathaus statt. Danach gab es bis 1963 keine Schule in Iwanowka. Die Schüler wurden in die Margenauer-Schule mit einem großen, von Pferden gezogenen Schlitten gefahren. Im Jahre 1963 wurde auf der Wiese neben demselben Iwanower-Baumgarten eine neue Schule aus Holz gebaut, die für Schüler der ersten vier Grundschulklassen bestimmt war. Diese Schule, in der zwei Lehrerinnen arbeiteten, hatte nur ein Klassenzimmer für alle vier Klassen. Daher wurden die Unterrichtsstunden in zwei Schichten durchgeführt, zwei Klassen wurden am Vormittag unterrichtet und zwei am Nachmittag. Jede der Lehrerinnen unterrichtete zwei Klassen in einem Raum gleichzeitig. Die Tische im Klassenzimmer waren in zwei parallelen Reihen aufgestellt, in einer Reihe saßen die Schüler einer Klasse, in der anderen die andere Klasse. Während die Lehrerin einem der Klassen ein Fach erklärte, war die andere Klasse mit selbstständiger Arbeit beschäftigt, dann wurde gewechselt und das mehrmals während des Unterrichts. Diese Unterrichtsmethode erschwerte natürlich die Arbeit der Lehrer erheblich und machte es den Schülern der benachbarten Klasse schwer, sich zu konzentrieren. Vielleicht auch aus diesem Grund wurde die Iwanower-Grundschule im Jahr 1968 geschlossen, sie bestand nur fünf Jahre. Das Schulgebäude wurde in Privatbesitz als Wohnhaus verkauft. Der Hauptgrund für die Schließung der Iwanower-Schule war natürlich, dass zu dieser Zeit im Nachbardorf Margenau der Bau einer großen zweistöckigen Schule mit großen, hellen Klassenzimmern abgeschlossen war. Neben der Schule wurde auch ein neues zweistöckiges Internat mit zahlreichen Wohnräumen für Schüler gebaut, die in abgelegenen Dörfern wohnten. Aber wir, die Schüler aus Iwanowka, lebten nicht so weit entfernt, wir wurden mit einem Lastwagen zur Schule gefahren, der mit Planen bedeckt war. Oftmals mussten wir jedoch zu Fuß gehen, weil im Winter die Straßen oft verschneit waren und im Frühling die Straßen so matschig wurden, dass es unmöglich war, mit dem Lastwagen zu fahren. Erst in den achtziger Jahren wurden die Kinder mit einem Bus aus der Kolchose zur Schule gefahren. Die ersten Lehrerinnen unserer Iwanower-Grundschule waren die zugezogene Alexandra Fjodorowna Schölochowa und Olga Iwanowna Tschetter aus Margenau. Alexandra Fjodorowna unterrichtete die zweite und vierte Klasse, sie war auch die Schulleiterin. Zunächst lebte sie direkt im Lehrerzimmer, das sehr klein war, etwa neun Quadratmeter. Später zog sie in die Meshewajewka-Straße am Waldrand, in das Haus der Familie Hirschfeld, die zu dieser Zeit eine Wohnung in Margenau bekommen hatte. Die erste und dritte Klasse wurde von der damals noch sehr jungen Olga Iwanowna unterrichtet. Später, nach ihrer Heirat, änderte Olga Iwanowna ihren Nachnamen in Sawina und zog zu ihrem Ehemann zur Station Kucharewo, wo sie viele Jahre als Verkäuferin im „Elevator-Laden“ arbeitete.

In Russisch am 18. Februar 2011 geschrieben, am 9. November 2024 in Deutsch übersetzt. W.P.

Die unvergesslichen Jahre unserer Jugendzeit

  Die Jugendzeit ist die beste Zeit im Leben eines Menschen, das ist eine Zeit der Entdeckungen, Zeit der Liebe, der Hoffnungen und Träume. Es ist eine wunderbare Zeit, die ein Leben lang in Erinnerung bleibt. Wir, die Iwanower Jugend der 70er Jahre, haben unsere Jugendzeit, abgesehen von zwei Jahren Wehrdienst und der Ausbildung in der Stadt, in unserem Heimatdorf Iwanowka verbracht. Die Jugendzeit war für uns etwas Besonderes, schon allein deshalb, weil es in unserem kleinen Dorf damals recht viele Jugendliche gab. Und das war gut für uns, denn je mehr Jugendliche es gibt, desto mehr Freunde hat man, und desto fröhlicher und erfüllter ist das Leben. In den 1970er Jahren, in den Jahren unserer Jugendzeit, gab es in Iwanowka zwei Jugendgruppen, die völlig verschiedene Wege gingen. Eine Gruppe bestand aus Gläubigen, die den Weg des christlichen Glaubens gewählt hatten und einen großen Teil ihrer Zeit mit ganzem Herzen und ganzer Seele den Gottesdiensten widmeten. Sie waren sehr organisiert und nahmen an vielen christlichen Veranstaltungen teil, auch außerhalb des Dorfes. Die andere Gruppe, die sogenannte „Schoubelpertie“, was übersetzt „Bohnenpartei“ bedeutet, führte ein freieres Leben. Die meisten von uns besuchten nur selten christliche Versammlungen, wir verbrachten unsere Zeit lieber im Kreise unserer eigenen Gemeinschaft. Warum man uns ironisch „Schoubelpertie“ nannte, weiß ich nicht. Vielleicht, weil wir nicht so organisiert waren, aber immer alle zusammen waren, wie die Bohnen in einer Dose. Auch wir waren eine Jugendgruppe, die fest zusammenhielt. Wir teilten gemeinsame Interessen, bastelten gern, fuhren Motorrad, diskutierten, stritten und machten Witze. Wir waren die Jugend, die tat, was sie selbst tun wollte, die nicht besonders darauf achtete, was die Erwachsenen uns sagten. Wir suchten unseren Platz im Leben, probierten vieles aus und hatten manchmal auch Spaß an Dingen, die vielleicht nicht ganz so gut waren. Doch am meisten mochten wir, Zeit mit den Mädchen zu verbringen. Natürlich waren auch wir, die Jugend von Iwanowka der 1970er Jahre, in unserer Jugendzeit leidenschaftlich verliebt. Auch wir haben gelitten, wenn die Liebe nicht erwidert wurde, und auch wir hatten wegen der Liebe schlaflose Nächte. Doch wir erlebten auch glückliche Zeiten der Liebe, die wir als kostbare Erinnerung durch unser ganzes Leben tragen. Diese Liebe bleibt für uns etwas Wunderschönes, das schönste Gefühl, das sich kaum mit etwas anderem vergleichen lässt.

In Russisch am 3. September 2011 geschrieben, in Deutsch im November 2024 übersetzt. W.P.

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Das christliche Leben in Iwanowka

  Ein wichtiges Merkmal des Dorfes Iwanowka und vieler seiner Bewohner war schon immer das christliche Leben, das schon bei der Gründung des Dorfes 1907 begann. Und trotz der langjährigen Verfolgung von Gläubigen in Russland, besteht das christliche Leben in Iwanowka bis heute. - - -   Am Anfang trafen sich die Gläubigen zu ihren Versammlungen abwechselnd in den Häusern der Dorfbewohner. Ende der sechziger Jahre baute Artur Антонович Sarezki neben seinem Wohnhaus noch ein Gebäude ohne Innenwände, in dem die Gläubigen aus Iwanowka, Margenau und der Station Kucharewo regelmäßig Gottesdienste abhielten. Aus Kucharewo besuchten die Gottesdienste regelmäßig zwei Familien. Mitte der siebziger Jahre wurde ein kleines Haus, das Maria Гергардовна Sarezki gehörte, in ein Gebetshaus umgebaut, nachdem sie aufgrund ihres Alters zu ihrem Sohn gezogen war. Bis 1985 fanden dort alle christlichen Versammlungen statt, darunter Hochzeiten, Beerdigungen, Erntedankfeste und andere Veranstaltungen der Gemeinde. Im Jahre 1985 nahmen die Verfolgungen der Gläubigen in Russland stark zu, das Haus der Gemeinde in Iwanowka wurde beschlagnahmt und verriegelt. Seitdem fanden die Versammlungen, aus Angst vor negativen Einflüssen der Behörden jetzt heimlich, wieder wie in früheren Zeiten, in den Häusern der Gläubigen statt. 1986 wurde das Gebetshaus als Unterkunft für Fahrer die zur Erntehilfe in die Kolchose gekommen waren, genutzt. 1988 wurde Michail Сергеевич Gorbatschow Vorsitzender des Präsidiums des obersten Rates der UdSSR , und die Verfolgung der Gläubigen in der Sowjetunion wurde eingestellt. Seitdem stand der Glaubensfreiheit und der freien christlichen Verkündigung in Russland nichts mehr im Wege. Die Gläubigen von Iwanowka entfernten selbst das Schloss von ihrem Gebetshaus, reinigten und renovierten das Gebäude, seitdem fanden alle Versammlungen wieder an diesem alten Ort statt. Ende der achtziger Jahre gab es viele Jugendliche und Kinder im Dorf, die sich für das Wort Gottes interessierten, sodass die Zahl der Versammlungsteilnehmer stark anstieg. Dadurch wurde das Gebetshaus in Iwanowka zu klein. Aus diesem Grund wurde1989 ein neues, größeres Gebetshaus an das bestehende Gebäude angebaut. Das alte Haus diente bei Bedarf als Speisesaal. In den Jahren um die Jahrtausendwende schien es, als ob das christliche Leben in Iwanowka aufgrund der massiven Auswanderung der einheimischen Bevölkerung nach Deutschland zu Ende gehen würde. Doch das war nicht der Fall. 2009 wurde das alte Gebäude abgerissen und an seiner Stelle ein neues Gebäude für verschiedene kirchliche Zwecke an das bestehende Gebetshaus angebaut. Die Gottesdienste im Gebetshaus von Iwanowka gehen weiter! Es wäre sehr schön, wenn jemand aus der Iwanower Gemeinde, der aktiv am christlichen Leben in Iwanowka teilgenommen hat, das Leben der Gläubigen für kommende Generationen so festhalten würde, wie es all die Jahre war. Zum Beispiel, wie die Versammlungen früher in Privathäusern stattfanden, wie Kinderfeste, Jugendtreffen, Weihnachtsfeiern und Neujahrsfeste organisiert wurden. Oder auch, wie wegen der Verfolgung durch die Behörden oft spätabends im Gewässer hinter unserem Wald in Iwanowka Taufen durchgeführt wurden. Solche Erinnerungen und andere bedeutende Ereignisse aus dem Leben der christlichen Gemeinde sollten bewahrt werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Wie schade wäre es, wenn die Geschichte des christlichen Lebens in Iwanowka für immer, in längst vergessenen Zeiten verschwinden würde.

In Russisch am 3. März 2011 geschrieben, in Deutsch im November 2024 übersetzt. W.P.

  Vielleicht möchten auch Sie, lieber Leser, Ihre Erinnerungen an das christliche Leben in Iwanowka mit uns teilen? (Dies ist eine Übersetzung, das Original ist in Russisch) Das christliche Leben hatte in Iwanowka bereits seit der Gründung des Dorfes eine große Bedeutung für die örtlichen Christen. Ab den achtziger Jahren gewann es zudem Ansehen bei den Gläubigen in der gesamten Region Omsk. Wie bekannt ist, fanden in den achtziger Jahren in Iwanowka christliche Feste auf regionaler Ebene statt, zu denen sich mehrere tausend Menschen versammelten. Durch diese christlichen Feste wurde Iwanowka bei Gläubigen in vielen Teilen Russlands und sogar im Ausland bekannt. Es wäre schön, wenn die heutigen und kommenden junge Generationen die Möglichkeit hätten, nachzulesen und so zu erfahren, wie sich das christliche Leben in unserem Dorf entwickelte, wie es in den vergangenen Jahrzehnten fortgesetzt wurde und wie es bis heute besteht. Jeder, der am christlichen Leben in Iwanowka teilgenommen hat, hat sicherlich einige Episoden, Ereignisse, einfach nur schöne Erinnerungen an das geistliche Leben in Iwanowka im Gedächtnis. Vielleicht hat jemand Zeit und Lust, diese Erinnerungen niederzuschreiben. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Möglichkeit bekommen würde, Ihre Berichte hier unter Ihrem Namen zu veröffentlichen, es ist mir gleich, ob auf Russisch oder auf Deutsch. Da ich selbst nicht an den geistlichen Diensten teilgenommen habe und nur sehr selten die Versammlungen der Gläubigen besuchte, fällt es mir schwer, über dieses Thema etwas zu schreiben. Natürlich kann man auch Geschichten zu anderen Themen in Zusammenhang mit Iwanowka schreiben, vielleicht kurze Erzählungen oder Novellen, also kleine Geschichten mit unerwarteten Wendungen, die sich früher in unserem Dorf ereignet haben. Was die Zensur betrifft, diese Aufgabe übernehme ich ganz alleine. Es ist wichtig, dass in Ihren Geschichten über einzelne Personen nichts Negatives geschrieben wird, egal ob es der Wahrheit entspricht oder nicht, niemand darf beleidigt, verletzt oder verspottet werden. Denken Sie mal in Ruhe nach und genießen Sie Ihre schönen Erinnerungen an unsere kleine Heimat, an das Dorf Iwanowka. Mit freundlichen Grüßen W.P.

Das Märchen vom weißen Häuschen

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  Normalerweise beginnen alte russische Märchen mit den Worten: „Es war einmal in einem fernen Königreich, in einem fernen Land...“, aber dieses Märchen beginnt damit, dass vor langer Zeit im Dorf Iwanowka ein kleines, weißes Häuschen stand. In diesem Häuschen gab es nur zwei kleine Räume, oder besser gesagt, es gab nur ein Zimmer und eine kleine Küche. Niemand erinnert sich mehr daran, wer in jenen fernen Zeiten dieses märchenhafte Häuschen gebaut hat. Zu Beginn meines bewussten Lebens existierte es bereits, zu jener Zeit lebten dort Alexander Petrowitsch Hirschfeld, seine Ehefrau Helene Gergardowna und ihre kleinen Kinder. Alexander Petrowitsch war der beste Schuhmacher in unserer Gegend. Die Zeiten waren damals nicht reich, jeder versuchte, seine Schuhe und Stiefel so lange wie möglich zu tragen. Deshalb mussten sie von Zeit zu Zeit repariert werden, Alexander Petrowitsch reparierte nicht nur Schuhe und Filzstiefel, sondern jegliche Art von Fußbekleidung. Wie lange die Hirschfelds in diesem Häuschen gelebt haben, ist jetzt nicht mehr wichtig. Ihre Familie wuchs, die Kinder wurden größer, nur das Häuschen blieb leider klein. So zog die Familie Hirschfeld 1964 aus und verkaufte das Häuschen an unsere damalige Lehrerin, Alexandra Fjodorowna Schölochowa. Alexandra Fjodorowna war eine alleinstehende, nicht mehr junge Frau, auch ihre Gesundheit war nicht mehr die beste. Deshalb fiel ihr das Leben allein oft schwer. Manchmal halfen die Schüler der Grundschule von Iwanowka ihr im Haushalt, bei der Ernte von Gemüse aus ihrem Garten oder beim Einlagern der Kartoffeln in den Keller. So gelang es uns, dieses zauberhafte Häuschen zu besuchen. Alexandra Fjodorowna war eine gewissenhafte Lehrerin, die Schule und ihre Schüler waren ihr Leben. 1968 wurde die Schule in Iwanowka geschlossen, und unsere Lehrerin zog auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle aus dem Dorf fort. Ihr märchenhaftes weißes Häuschen wurde das Eigentum von Peter Jakowlewitsch Wiens, der kurz zuvor Maria Adolfowna Breit geheiratet hatte. Peter und Maria lebten hier zu zweit und hatten ausreichend Platz, bis der Storch ihnen einen Sohn vorbeibrachte. Danach beschlossen sie, ein größeres Haus in einer anderen Straße in Iwanowka zu kaufen, und zogen dorthin. Doch das Häuschen blieb nicht leer, ein älteres Rentnerpaar mit dem Nachnamen Klassen aus Nikolaifeld zog ein. Wie lange die Klassens hier lebten, ist nun schwer zu sagen, vielleicht ein Jahr, vielleicht zwei, oder auch mehr, ich weiß es nicht genau. Wohin sie danach gingen? Vielleicht sind sie gestorben, vielleicht sind sie weggezogen, ich weiß es nicht, denn in jenen Jahren absolvierte ich meinen Pflichtmilitärdienst im fernen Osten. In vielen Märchen spielt die Zahl sieben eine besondere Rolle: „Die sieben Geißlein und der böse Wolf“, „Die sieben unterirdischen Könige“, „Die sieben Brüder“ und so weiter. Auch in diesem Märchen möchte ich wenigstens sieben Familien nennen, die in diesem kleinen, zauberhaften Häuschen gelebt haben. Die fünfte Bewohnerin des Häuschens war Tante Helene Tilizkaja, die nach dem Tod ihrer einzigen Tochter Elvira aus Omsk hierherkam, weil ihre Verwandten in Iwanowka lebten. Ihr Aufenthalt in diesem Häuschen endete jedoch ziemlich tragisch. Sie war schon sehr alt und schloss eines Tages den Ofenabzug zu früh, nachdem das Feuer im Ofen gebrannt hatte, was ihr aufgrund des entstehenden Rauchgases fast das Leben gekostet hat. Nach diesem Vorfall musste sie in ein Altenheim ziehen, wo sie rund um die Uhr betreut werden konnte. In diesem Märchen nähern wir uns dem Ende der 1970er Jahre. Im Juni 1979 heirateten Jakob Jakowlewitsch Günther und Margarita Petrowna Langemann aus gegenseitiger Liebe. Genau hier, in diesem gemütlichen Häuschen, begann ihr gemeinsames Eheleben, vereint durch ihren Glauben an Gott und ihren Dienst für ihn. Der 17. Juni war der Hochzeitstag von Jakob und Margarita, an diesem Abend besuchten wir sie nach ihrer Hochzeit und verbrachten eine kurze, angenehme Zeit mit ihnen. Danach bin ich nie wieder in diesem Häuschen gewesen. Doch das Märchen ist noch nicht zu Ende, denn es fehlt die siebte Familie. Die siebte Familie war Irma Arnoldowna Werner mit ihren drei kleinen Kindern, Vitali, Olga und Tanja, die auch mal in diesem Häuschen gelebt haben. Später wurde hier mit Hilfe von Irmas Eltern ein neues Haus gebaut, das noch bis heute steht, während das kleine, weiße Häuschen gestorben ist, nur die Erinnerung daran ist geblieben. Und so endet dieses Märchen. Wer es gelesen hat, war fleißig. Doch das Märchen hat sich als Wahrheit herausgestellt, und wenn manches darin nicht ganz richtig erzählt wurde, was soll’s, es ist ja nur ein Märchen.

In Russisch am 25. Januar 2014 geschrieben, in Deutsch im November 2024 übersetzt. W.P.

kindheit

Erinnerungen aus der fernen Kindheit

  Jeder von uns trägt tief in seinem Gedächtnis schöne Erinnerungen aus der Kindheit, die uns ein Leben lang begleiten. Die allerersten Erinnerungen sind in der Regel mit den Eltern verbunden, denn die Eltern sind meist die ersten und bedeutendsten Menschen in unserem Leben. Eine meiner persönlichen Erinnerungen aus der Kindheit an meine Eltern ist die Erinnerung an einen meiner unerfüllten Wünsche. Seit jeher gibt es eine Weisheit: Wenn man sich etwas bei einer Sternschnuppe wünscht, wird der Wunsch sicherlich in Erfüllung gehen, man muss es nur schaffen, den Wunsch zu äußern, bevor der Stern erlischt. In meiner frühen Kindheit glaubte ich daran und bereitete sogar im Voraus die Worte meines sehnlichsten Wunsches vor: „Ich möchte, dass Mama hören kann“. An sternklaren Abenden ging ich manchmal nach draußen, schaute lange in den Himmel und wartete auf eine Sternschnuppe. Aber es ist mir nicht gelungen, meinen Wunsch zu äußern. Wahrscheinlich musste unsere Mama deswegen bis zum Ende ihres Lebens taub bleiben. Aus späterer Zeit erinnere ich mich an die singenden Melkerinnen, die im Sommer täglich auf einem offenen Lastwagen vom Nachbardorf Margenau über Iwanowka zur Weide fuhren, wo sie zwei- bis dreimal täglich Kühe im Feld melkten. Obwohl ihre Arbeit viel Zeit und Kraft in Anspruch nahm, sangen sie auf dem Weg zur Arbeit und zurück laut russische Volkslieder. Man konnte sie schon von weitem und in der ganzen Umgebung hören. Es ist viel Zeit vergangen, aber manchmal erinnere ich mich…  

Ich habe mich entschieden, nur den Anfang aus der Erzählung „Erinnerungen aus der fernen Kindheit“ zu übersetzen, da es in manchen Szenen sehr schwierig ist, die richtigen Worte zu finden, um den Inhalt so zu übersetzen, dass der übersetzte Text übereinstimmend bleibt und irgendwie noch glatt und spannend klingt.

In Russisch am 20. Juni 2015 geschrieben, in Deutsch im November 2024 übersetzt. W.P.

Mit freundlichen Grüßen W.P.

  Vielleicht möchten auch Sie, lieber Leser, Ihre Erinnerungen an das christliche Leben in Iwanowka mit uns teilen? (Dies ist eine Übersetzung, das Original ist in Russisch) Das christliche Leben hatte in Iwanowka bereits seit der Gründung des Dorfes eine große Bedeutung für die örtlichen Christen. Ab den achtziger Jahren gewann es zudem Ansehen bei den Gläubigen in der gesamten Region Omsk. Wie bekannt ist, fanden in den achtziger Jahren in Iwanowka christliche Feste auf regionaler Ebene statt, zu denen sich mehrere tausend Menschen versammelten. Durch diese christlichen Feste wurde Iwanowka bei Gläubigen in vielen Teilen Russlands und sogar im Ausland bekannt. Es wäre schön, wenn die heutigen und kommenden junge Generationen die Möglichkeit hätten, nachzulesen und so zu erfahren, wie sich das christliche Leben in unserem Dorf entwickelte, wie es in den vergangenen Jahrzehnten fortgesetzt wurde und wie es bis heute besteht. Jeder, der am christlichen Leben in Iwanowka teilgenommen hat, hat sicherlich einige Episoden, Ereignisse, einfach nur schöne Erinnerungen an das geistliche Leben in Iwanowka im Gedächtnis. Vielleicht hat jemand Zeit und Lust, diese Erinnerungen niederzuschreiben. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Möglichkeit bekommen würde, Ihre Berichte hier unter Ihrem Namen zu veröffentlichen, es ist mir gleich, ob auf Russisch oder auf Deutsch. Da ich selbst nicht an den geistlichen Diensten teilgenommen habe und nur sehr selten die Versammlungen der Gläubigen besuchte, fällt es mir schwer, über dieses Thema etwas zu schreiben. Natürlich kann man auch Geschichten zu anderen Themen in Zusammenhang mit Iwanowka schreiben, vielleicht kurze Erzählungen oder Novellen, also kleine Geschichten mit unerwarteten Wendungen, die sich früher in unserem Dorf ereignet haben. Was die Zensur betrifft, diese Aufgabe übernehme ich ganz alleine. Es ist wichtig, dass in Ihren Geschichten über einzelne Personen nichts Negatives geschrieben wird, egal ob es der Wahrheit entspricht oder nicht, niemand darf beleidigt, verletzt oder verspottet werden. Denken Sie mal in Ruhe nach und genießen Sie Ihre schönen Erinnerungen an unsere kleine Heimat, an das Dorf Iwanowka.


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Die Dorfpräsentation: "Iwanowka in Westsibirien" ist seit dem 21. Dezember 1998 online. Autor der Präsentation und Gestalter der Website - Waldemar Penner. Inhalt der Webseite www.iwanowka.de ist durch das internationale Urheberrecht geschützt.
© 1998 -